Hach!

Keine Buchmesse ist wie die andere, auch wenn die Bilder sich ähneln. Als Ausstellender sammelt man Erfahrungen, wird routinierter, entspannter, und trägt doch eine große Portion kindlicher Begeisterung mit sich herum. Ein Tag unter Gleichgesinnten, Autorinnen und Autoren, Leserinnen und Lesern, Verlagen und Bloggenden. Ich geb’s zu: Ich komme stundenlang aus dem Lächeln nicht heraus und habe abends einen Muskelkater in den Wangen. Und so ist dieser Messe-Recap der Klischee Buchmesse 2026 nicht ganz wie die anderen.

Erwartungen

Meine erste Buchmesse als Aussteller, der Winterlesezauber, ist nicht einmal ein Jahr her. Damals war ich ein klitzekleines bisschen aufgeregt, weil ich nicht wusste, was mich erwartet, und weil ich als Introvertierter doch auch ein bisschen brauche, um in großen Menschenmengen klarzukommen.

Vor allem stand die Frage im Raum: Werde ich überhaupt Bücher verkaufen, und wenn ja, wie viele?

Vier Buchmessen später überwiegt vor und nach der Veranstaltung eine Gefühlsmischung aus Aufregung, Begeisterung, Zugehörigkeit und Angekommensein. Jede Messe ist anders, wird nicht zur Routine: Organisation und Packen zuhause, haben wir alles dabei, reichen die Bücher? Die Anfahrt, eine neue Stadt, wie ist das Hotel? Wie läuft der Check-In, wie ist die Location, wie ist die Position des Messetischs? Wer sitzt und steht neben uns? Wie sind die BesucherInnen drauf? Schmeckt der Kaffee? …

Am Ende des Tages ist die Anzahl verkaufter Bücher für mich ein Faktor von vielen, der allerdings nicht wesentlich meinen Gesamteindruck von der Buchmesse beeinflusst.

Realität

Im Gespräch auf der Klischee Buchmesse und im Anschluss auf Social Media habe ich bei einigen Ausstellenden herausgehört und gelesen, dass die Buchverkäufe durchaus eine bedeutende Rolle spielen. Vor allem DebütantInnen hadern nach zehn bis zwölf Stunden hinter dem Tisch damit, dass die Verkaufszahlen nur einstellig sind. In ihren Posts dringt oft Enttäuschung durch und wird ergänzt mit einer detaillierten Kosten-Nutzen-Rechnung. Mit dieser holt uns Schreibende die Realität dann spätestens ein.

Damit habe ich meinen Frieden gemacht. Schreiben als Selfpublisher ist für den heutigen Tag ein Hobby, das schon allein durch die Teilnahmegebühr an Buchmessen ein teures geworden ist. Von den Kosten für Lesezeichen, Tischdecke inkl. B1-Zertifizierung, Rollups, Visitenkarten, Leseproben, Deko usw. möchte ich gar nicht reden, Hotel und Anreise kommen dazu.

Andere Menschen pflegen auch teure Hobbys, schrauben an Autos, sammeln Briefmarken, klettern an Steilwänden empor, … warum nicht Bücher schreiben? Der kleine Stolz kommt gerade ums Eck und verkündet, dass wir Autorinnen und Autoren unseren LeserInnen durch unsere Beschäftigung mit dem Wort ja sogar was Nachhaltiges zu bieten haben. Fein, oder?

Kopf hoch und bitte lächeln!

Einen Hinweis möchte ich in die Runde der Ausstellenden werfen, ohne jemanden explizit damit benennen oder provozieren zu wollen. Nur ein gut gemeinter Rat: Manche verbarrikadieren sich hinter ihren Ständen und deren Aufbauten wie hinter einem Festungswall, in dem Glauben und der Hoffnung, dass allein die dargebotenen Werke das geneigte Publikum anziehen werden. Da wird oft aufs Handy geschaut und kaum einmal der Blickkontakt zu den Vorbeischlendernden gesucht. Wer dann noch grummelig guckt, hat es doppelt schwer, sein Angebot an Frau und Mann und alles dazwischen und außerhalb zu bringen.

Deshalb: Ein zugewandtes Lächeln wirkt Wunder. 🙂

Buch und SPIELE!

Das andere Extrem – zum Glück konnte ich das bei der Klischee Buchmesse nur in reduzierter Form feststellen – sind die Ausstellenden, die, Wegelagerern gleich, den Messebesuchern mit Flyern oder einer Losbox vor die Füße springen und alle Aufmerksamkeit auf sich ziehen. So manch interessierter Besucher wurde dadurch schon von unserem Stand und dem unserer NachbarInnen abgelenkt.

Ein Level höher noch agieren die Betreiber von Los- und Gewinnspielen, die große Teile des Gangs zwischen den Tischen für sich einnehmen und die Besucher regelrecht abfischen. Nicht wenigen ist am Gesicht abzulesen, was sie davon halten, und als eher gemäßigt auftretendem Aussteller ist mir dieses aggressive Marketing tatsächlich ein Dorn im Auge.

Ich bin froh, dass die OrganisatorInnen der Klischee Buchmesse Gewinnspiele im nächsten Jahr laut Ankündigung nicht mehr gestatten. Bücher sollten meiner Ansicht nach auch auf andere Weise überzeugen können.

Danke

Die Organisation der Klischee Buchmesse 2026 war outstanding, von der Anmeldung über die Kommunikation und Organisation bis hin zum Event selbst. Grandios!

Es war wunderbar, bekannten und neuen Gesichtern zu begegnen. Die Messe-Familie wächst!

Tausend Dank an alle Besucherinnen und Besucher der Klischee Buchmesse und unseres Messestands: Der Austausch mit Buchbegeisterten ist das Sahnehäubchen auf dem Schaffen als Autor. Danke für das Interesse an meinen Büchern und den Geschichten dahinter!

Bis zur nächsten Klischee Buchmesse am 4. September 2027!

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